Mit einem Tor gegen Frankreich und einem soliden Auftritt gegen England hat Levin Öztunali in der U-21-Nationalmannschaft einmal mehr sein Talent unter Beweis gestellt. Ruft er es jetzt auch endlich unter Trainer Sandro Schwarz beim 1. FSV Mainz 05 ab?

Keine drei Minuten sind gespielt, schon startet Öztunali auf der rechten Seite durch. Nach einem feinen Zuspiel von Luca Waldschmidt kommt er an den Ball, schüttelt erst einen Innenverteidiger ab, umkurvt dann den Torwart und schiebt die Kugel flach ins kurze Eck. Auch beim zweiten Treffer ist Öztunali beteiligt: Mit der Hacke leitet er den Ball künstlerisch auf Benjamin Henrichs weiter, dessen Vorlage schließlich bei Torschütze Maximilian Mittelstädt landet. Die Partie gegen Frankreichs U 21 endet 2:2, mit der kicker-Note 2 avanciert Öztunali zum Spieler des Spiels. Wenngleich er im darauffolgenden Spiel gegen England (2:1) nicht ganz an seine Leistung anknüpfen kann (Note 3), bleibt festzuhalten: Während der 23-Jährige bei Mainz 05 nur allzu oft schwächelt, gehört er in der U 21 von Trainer Stefan Kuntz regelmäßig zu den Besten. Öztunali, ein Mann mit zwei Gesichtern.So richtig aufdrehen konnte er seit seinem Wechsel im Sommer 2016 von Bayer Leverkusen nach Mainz noch nie. Ex-Coach Martin Schmidt adelte den Fünf-Millionen-Euro-Transfer bei dessen Ankunft in Rheinhessen als “echte Bombe auf der offensiven Außenbahn”. Zwar zählte er in seiner Premierensaison mit 30 Einsätzen, 5 Toren und 6 Assists stets zum Stammpersonal, nachhaltigen Eindruck konnte der Rechtsfuß aber weder 2017/18 (25/0/4) noch in der laufenden Saison (12/0/2) hinterlassen.

Öztunalis Problem: Kein Platz in Schwarz’ System

Dabei sind Öztunalis Qualitäten ohne jeden Zweifel vorhanden: Mit seinem Antritt kann er festgefahrene Angriffsbemühungen auflösen und Unterzahlsituationen zu seinen Gunsten entscheiden. Sein Tempo kann er ausspielen, wenn sich beispielsweise Raum zum Kontern ergibt. Unter Trainer Sandro Schwarz kommt Öztunali, der im Sommer wochenlang wegen eines Muskelbündelrisses fehlte, jedoch nur als Teilzeitkraft zum Zug. Dieser Umstand ist einerseits Leistungsgründen, andererseits dem System geschuldet. Die von Schwarz favorisierte 4-4-2-Formation mit Raute sieht keine klassischen Flügelstürmer wie Öztunali vor. Zwangsläufig musste sich der Offensivmann, der sich öffentlich nur zurückhaltend, fast schüchtern, äußert, mit der Position als halbrechter Achter anfreunden. Dass er auch diesen Posten besetzen kann, zeigte sein Auftritt gegen Hertha BSC (Note 3) vor knapp vier Wochen.

Ohnehin befindet sich der Enkel von Uwe Seeler sportlich im Aufwind. Seit vier Spielen steht er bei den Nullfünfern in der Startelf, an die Raute scheint er sich allmählich zu gewöhnen. Trainer Schwarz sind Öztunalis jüngste Darbietungen bei der U 21, wo er mit 25 Einsätzen der erfahrenste Akteur ist, nicht entgangen: “Wir haben natürlich registriert, dass Levin bei der U 21 sehr gute Spiele absolviert hat.” Am Samstag, wenn Mainz bei Werder Bremen antritt, sei er deshalb “durchaus eine Option”, so Schwarz.

 

 

Quelle: http://www.kicker.de/news/eishockey/laenderspiele/745709/artikel_oeztunali_ein-mann-mit-zwei-gesichtern.html

Foto: 1. FSV Mainz 05

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