Der Glaube des VfL-Supertalents geht bei ihm unter die Haut. In Gladbach feierte Jannes Horn seinen ersten Liga-Sieg.

Er war erst 17 Jahre alt, also brauchte Jannes Horn die Erlaubnis seiner Eltern. Das erste Tattoo, ein Spruch aus der Bibel sollte es sein, den sich das Toptalent des VfL Wolfsburg auf den linken Unterarm tätowieren lassen wollte. In Deutschland muss man dafür aber 18 Jahre alt sein. „Doch meine Eltern haben es mir sofort erlaubt“, sagt Horn. Seitdem blitzt der Spruch „God is my fortress, he makes my way perfect“ in großen schwarzen Buchstaben unter seiner Haut hervor (zu Deutsch: „Gott ist meine Festung, er macht meinen Weg perfekt“).

In den folgenden Monaten kamen zwei weitere Tattoos dazu mit zwei weiteren religiösen Motiven. Denn der 19 Jahre alte Horn gehört einer in Deutschland immer kleiner werdenden Gruppe an: Er ist gläubig und lebt seinen Glauben ganz aktiv aus. Er liest in der Bibel, geht in die Kirche und betet jeden Abend vor dem Schlafengehen. „Ich spüre einfach“, sagt er, „dass es mir Kraft gibt“.

Früher, erzählt er, sei er gar nicht besonders religiös gewesen. Doch mit 14 oder 15, ganz genau weiß er das nicht mehr, ist sein Glaube intensiver geworden. Doch im Gegensatz zu vielen anderen Menschen, die sich an die Religion wenden, wenn es ihnen schlecht geht, fragt sich Horn, warum es bei ihm so gut läuft. Er ist fester Teil der Wolfsburger Jugendmannschaften, kommt Schritt für Schritt voran. „Und in den guten Momenten habe ich mich gefragt: Warum passiert ausgerechnet mir so etwas? Talent allein reicht ja nicht. Das muss irgendwo herkommen.“ Er widmet einer übernatürlichen Kraft einen großen Teil seines Aufstiegs beim VfL. Ein Weg, der gerade erst begonnen hat.

Der 19 Jahre alte Linksfuß gilt als eines der größten Talente des Landes. Als er noch in der VfL-Jugend gespielt hat, war der FC Liverpool mit Trainer Jürgen Klopp an ihm interessiert, doch Horn blieb – und biss sich durch.

Im September wurde er für seine Mühen belohnt und spürte erstmals Bundesliga-Rasen unter seinen Füßen. Erst ein Kurzeinsatz in Hoffenheim, dann folgte das Startelfdebüt an einem Samstagabend. Flutlichtspiel in Bremen, und Horn mittendrin. Er ist Wolfsburgs Bester, bereitet sogar das 1:0 vor, lässt sich dann auswechseln, und „war auf der Bank der glücklichste Mensch Deutschlands“. Doch in den letzten fünf Minuten verspielen die Wolfsburger die Führung und verlieren noch mit 1:2. Bremen feiert, der VfL trauert. Auch Horn kann sich über sein starkes Debüt nicht so recht freuen.

Dass nach diesem Samstagabend im Weserstadion nur noch zwei Bundesliga-Einsätze folgten, kann Pech sein oder Zufall. Aber an so etwas glaubt Horn eigentlich nicht. Dieter Hecking brachte ihn jedenfalls erst mal nicht mehr, dann wechselte im Oktober das Gesicht auf der VfL-Trainerbank. Mit Valérien Ismaël coacht nun einer die „Wölfe“, der gerne auf die Jugend setzt. Und auch gerne auf Horn gesetzt hätte. Bei Ismaëls Premiere in Darmstadt sollte der Linksfuß spielen. Das hatte der Trainer ihm schon gesagt. „Aber dann wache ich am Tag vorher auf, fühle mich nicht gut, gehe trotzdem zum Training, und abends im Hotel habe ich dann 40 Grad Fieber“, sagt er. Statt zum zweiten Mal für seinen Jugendklub in der Startelf zu stehen, muss Horn vor dem Fernseher zusehen, wie sein VfL mit 1:3 verliert. Ähnlich war’s schon am Ende der vergangenen Saison. Unter Hecking hätte Horn auch in Dortmund spielen sollen, wurde aber krank – und die „Wölfe“ gingen mit 1:5 unter. „Wer weiß“, fragt Horn, „wofür es gut war.“ Egal wie negativ die Situation scheint: Er versucht, positive Schlüsse daraus zu ziehen.

Im Dezember aber machte er dann endlich sein drittes Bundesliga-Spiel für den VfL. Marcel Schäfer verletzte sich, und Horn kam für den Routinier aufs Feld – an einem ganz besonderen Ort: Allianz Arena, München. Der 19-Jährige spielt gegen sein großes Vorbild David Alaba. „Sein Tempo, seine Athletik, sein Schuss“, schwärmt Horn über die Stärken des Österreichers, der wie der Wolfsburger in der Abwehr sehr flexibel einsetzbar ist.

Horns direkter Gegenspieler Anfang Dezember heißt aber Arjen Robben. „Ein Weltklasse-Spieler“, sagt der Wolfsburger, der bei der 0:5-Packung noch einer der Besten war. Bayerns Angriff um Robben konnte er trotzdem nicht aufhalten. „Ich hoffe aber, dass ich Spieler wie ihn bald stoppen kann.“ Denn sein Aufstieg hat gerade erst begonnen. Beim 2:1 in Mönchengladbach feierte Horn sogar seinen ersten Bundesliga-Sieg.

Wenn er Bayern-Star Robben beim nächsten Mal begegnet, wird auf seinem Arm wohl ein weiteres Tattoo zu sehen sein. Den ganzen linken Arm sollen Motive zieren. Jetzt braucht er dafür wenigstens nicht mehr die Erlaubnis seiner Eltern.

 

Quelle: http://www.braunschweiger-zeitung.de/sport/vfl-wolfsburg/article209078023/Ich-spuere-wie-mir-der-Glaube-Kraft-gibt.html

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