Onur Bulut hat sich beachtlich schnell beim SC Freiburg eingelebt. Der Mittelfeldakteur stand bislang bei jedem Match der Saison auf dem Platz. Warum passt er so gut zum SC?
Manchmal ist Onur Bulut von sich selbst überrascht. “Ich habe nicht gedacht, dass ich so schnell und so oft in der Anfangsformation stehe”, sagt der 22-jährige Fußballer, der vor der Saison vom VfL Bochum zum Erstliga-Wiederaufsteiger SC Freiburg gewechselt ist. Dort kam der Mittelfeldakteur bisher in jedem der sechs Pflichtspiele (fünf in der Bundesliga, eins im Pokal) zum Einsatz und stand dabei viermal in der Anfangsformation. “Es läuft echt gut”, erklärt der Profikicker, der von sich sagt: “Ich bin ein sehr positiver Mensch, der andere mitreißen kann.”

Es ist eines der Trainings, das seit ein paar Jahren Einzug gehalten hat in der Fußball-Bundesliga: nicht-öffentlich, also unter Ausschluss von Zuschauern. Das gibt es inzwischen auch beim Sportclub Freiburg, so wie an diesem diesigen Dienstagvormittag, der so charakteristisch ist für den Herbst in Freiburg mit seiner hochnebelartigen Bewölkung. Natürlicher Sichtschutz, in Form von Hecken, lässt die Fußballer unsichtbar werden, zusätzlich sind Sichtschutzzäune angebracht. In nicht mehr allzu langer Ferne, so ist zu erwarten, werden vom nächsten Gegner gesteuerte Drohnen über das Trainingsgelände schweben, um wieder einen neuen Weg zu finden, den SC doch noch ausspähen zu können.

Hin und wieder sind die Anweisungen von Trainer Christian Streich zu vernehmen oder Applaus von Spielern für gelungene Aktionen ihrer Kollegen. Falls doch mal ein Ball über den vier Meter hohen Zaun geschossen wird, steht ein Kescher bereit, um das Objekt der Begierde vor dem Ertrinken in der Dreisam zu bewahren – oder vor vorbeistrampelnden Radfahrern, die sich dann gerne mal als Souvenirjäger betätigen. Und irgendwo da auf dem Trainingsplatz befindet sich auch Onur Bulut, der Neuzugang des SC, der im Sommer aus dem Ruhrgebiet in den Breisgau kam.

Mit Tee zum Interview

Zum Gespräch im Anschluss an die Übungseinheit kommt er mit einer Tasse Tee und dem Hinweis, aufs Händeschütteln bitte zu verzichten: “Bin ein bisschen erkältet.” Nicht schlimm sei es, beim Bundesliga-Heimspiel am Samstagnachmittag gegen Eintracht Frankfurt (15.30 Uhr) “müsste ich wieder hundertprozentig fit sein”, diagnostiziert er selbst.

Dann nippt Onur Bulut an seinem Tee, lobt seinen neuen Verein (“Als das Angebot kam, war klar, ich gehe zum SC nach Freiburg, weil er jungen Spielern oft eine Chance bietet”), lobt die Mannschaft (“Ich bin toll aufgenommen worden und spiele in einem Team voller Leidenschaft”) und lobt das Wetter im Badischen (“Hier gab’s in den vergangenen drei Monaten fünf Regentage, das gab’s bei mir daheim im Sauerland in der Woche”). Überhaupt vermittelt der junge Mann das Gefühl, dass er die Sonne im Herzen trage. Er mag die Ruhe, sagt er, “aber ich kann auch der Spaßvogel und der Klassenclown in der Kabine sein”.

Acht Jahre für den VfL Bochum aktiv

Auf dem Platz spult der Deutsch-Türke, der aus Werdohl stammt, einer Stadt mit 18 000 Einwohnern im Osten des Märkischen Sauerlands, viele Kilometer ab. In den vergangenen zwei Jahren hatte er das auch auf der Straße getan. Acht Jahre spielte Bulut insgesamt beim VfL Bochum, als er 18 Jahre alt wurde und seinen Führerschein in den Händen hielt, zog er in die Ruhrpott-Stadt. Dann folgte die Kehrtwende. In den vergangenen beiden Spielzeiten, in denen seine sportliche Entwicklung so richtig vorankam, wohnte er wieder bei seiner Familie in Werdohl, also etwa 65 Kilometer von Bochum entfernt, und pendelte zwischen Wohn- und Trainingsort hin und her. “Das familiäre Umfeld ist mir wichtig. Ich glaube, das hat mir gut getan”, sagt der junge Profikicker, der drei ältere Geschwister hat (zwei Brüder, eine Schwester), ganz gelassen.

Diese Gelassenheit geht ihm ein bisschen flöten, wenn er über Borussia Dortmund spricht, jenen Verein, bei dem Bulut und Co. vergangenen Freitagabend mit 1:3 verloren. “Eine gewisse Sympathie für den BVB kann ich nicht verhehlen, weil dort ein richtig schneller Fußball gespielt wird”, sagt er und seine Worte gewinnen dabei an Fahrt.

Zufrieden ist er auch mit seiner persönlichen Entwicklung und der seines neuen Teams. Zwei Heimsiege, sechs Punkte, “für einen Aufsteiger ist das doch gar nicht so schlecht”, sagt der 1,80 Meter große und nur 74 Kilogramm schwere Kicker, der den Ehrgeiz als sein größtes Plus bezeichnet.

Am Samstag gegen Frankfurt will er trotz der leichten Erkältung, die ihn am Dienstag plagte, wieder von Anfang an dabei sein. Um dann, ganz vorsichtig, nachzuschieben: “Aber das entscheidet natürlich der Trainer.” Gegen die gut in die Saison gestarteten Hessen gelte es “individuelle Fehler zu vermeiden und unser Ding durchzuziehen”, sagt Onur Bulut, bringt die Tasse ordnungsgemäß zum Geschirrspülautomaten und verabschiedet sich höflich. Ist es mehr als ein Zufall, dass sich genau zu diesem Zeitpunkt die Sonne überm Schwarzwaldstadion zeigt.

Quelle: http://www.badische-zeitung.de/sport/scfreiburg/sc-freiburg-onur-bulut-hat-sich-im-mittelfeld-etabliert–127784054.html

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