Für fünf Millionen Euro sicherte sich der FC Augsburg die Dienste des Österreichers Michael Gregoritsch. Der war von dem Wechsel vom HSV selbst überrascht. Vor der Rückkehr findet er deutliche Worte.

Von seinem Abgang kurz vor Vorbereitungsbeginn Anfang Juli waren nicht nur viele HSV-Fans überrascht – sondern auch Michael Gregoritsch selbst. Er hätte sich nicht abgegeben, offenbarte der Österreicher in diesen Tagen. Lange warten musste er aber nicht auf die Rückkehr an die alte Wirkungsstätte. Mit dem FC Augsburg gastiert Gregoritsch am Samstag zum Bundesligastart im Volkspark.
Für das Duell mit seinem früheren Klub hat sich der Offensivallrounder einiges vorgenommen. Groll verspüre er keinen, sagt er im Gespräch mit der WELT. Ein Spiel wie jedes andere sei es allerdings auch nicht: „Wenn ich das behaupten würde, würde ich es mir selbst nicht glauben.“ Gregoritsch spricht von einer „kleinen Extra-Motivation“. Der HSV sollte gewarnt sein. „Spiele gegen meine früheren Klubs liegen mir. Beim ersten Wiedersehen habe ich eigentlich immer recht gut gespielt“, unkt der 23-Jährige und sagt: „Ich hoffe, dass ich die Tradition fortsetzen kann.“ Vor einer Woche war es Osnabrücks Ahmet Arslan, der seine Ex-Kollegen beim blamablen Erstrunden-Aus im DFB-Pokal ärgerte. Hinterher relativierte Hamburgs Trainer Markus Gisdol den Treffer aus kurzer Distanz launig: „Den Ball hätte jeder reingeschossen. Dazu hätte es nicht eines Ex-HSV-Spielers gebraucht.“

Die HSV-Führung hielt Gregoritsch für entbehrlich

Gregoritsch hingegen beherrscht nicht nur Abstauber, sondern hat auch Kabinettstückchen im Repertoire. In der Vorbereitung glänzte er mit zwei Traumtoren: ein Sololauf über den halben Platz mit abschließendem Lupfer sowie ein kerniger Distanzschuss aus über 30 Metern. „Das hat schon ganz gut funktioniert. Ich bin froh, dass ich gleich zeigen konnte, was ich draufhabe“, sagt er.
Fünf Millionen Euro haben sich die Fuggerstädter die Dienste des dreifachen österreichischen Nationalspielers kosten lassen. Zwei Millionen Euro mehr, als die Hamburger 2015 an Zweitligist VfL Bochum überwiesen. Nach dem glücklichen Klassenerhalt in der Relegation gegen den Karlsruher SC sollte Gregoritsch frischen Wind in die biedere HSV-Offensive bringen und den Kurs der Hanseaten verkörpern, künftig auf hungrige und entwicklungsfähige Talente zu setzen.
In seinem Premierenjahr kam er in der Liga zwar auf 25 Einsätze, allerdings nie in seiner Lieblingsrolle als zentraler Angreifer. Dort setzte der damalige Coach Bruno Labbadia beharrlich auf Pierre-Michel Lasogga. Auch in der folgenden Saison rochierte Gregoritsch auf allen Positionen in der Offensive. In der Spitze war diesmal Bobby Wood gesetzt. Die Bilanz nach zwei Jahren im Norden: 58 Spiele, elf Tore und sechs Vorlagen.
Die Klubführung hielt Gregoritsch für entbehrlich und ließ ihn ziehen. Auch wenn dieser den Abschied bedauert, so überwiegt mittlerweile die Freude über den Neustart: „Ich war zuletzt nicht ganz zufrieden mit den Einsatzzeiten in Hamburg. Für die Entwicklung eines jungen Spielers ist es enorm wichtig, möglichst oft und regelmäßig auf dem Platz zu stehen. Ich hatte aber nicht zu 100 Prozent das Gefühl, dass das beim HSV möglich sein würde. Das wurde mir so auch deutlich vom Trainer kommuniziert.“ In Augsburg sei das anders. Sein neuer Chef Manuel Baum setzt auf ihn als zentralen Mann in der Offensive hinter dem Isländer Alfred Finnbogason. Gregoritsch ist heiß auf das Duell mit seinem früheren Arbeitgeber und will beweisen, dass es ein Fehler war, ihn gehen zu lassen.

Testspiel-Ergebnisse „nicht so berauschend“

Der Zeitpunkt scheint günstig. In Hamburg braut sich nach dem Pokal-Aus, gefolgt von Klaus-Michael Kühnes jüngstem Rundumschlag schon wieder ein bedrohliche Sturmfront zusammen. Gregoritsch kennt den explosiven Stimmungscocktail an der Elbe: „Die Ergebnisse in den Testspielen waren nicht so berauschend, und dazu noch das Pokal-Aus in Osnabrück. Da hat sich gleich eine Krisenstimmung verbreitet. Das geht in Hamburg immer sehr schnell“, sagt er. Anders als in Augsburg.
Das Pokal-Aus bei Drittligist Magdeburg hat dort weniger hohe Wellen geschlagen. „Natürlich hatten wir uns das ganz anders vorgestellt und ärgern uns“, sagt Gregoritsch und ergänzt: „Ich glaube aber nicht, dass das negative Auswirkungen auf den Liga-Start haben wird – im Gegenteil.“ Zwei verunsicherte Teams erwarte er nicht. „Beide Mannschaften sind dadurch zusätzlich motiviert und wollen in der Bundesliga die schlechten Eindrücke aus dem Pokal geraderücken“, prophezeit er.
Als Informant für FCA-Coach Baum sei er noch nicht gefordert gewesen, erzählt Gregoritsch: „Bisher hat er mich noch nicht gefragt. Grundsätzlich ist die Gegnerbeobachtung ja auch Aufgabe unserer Scouts. Die machen ein super Job. Wenn der Trainer aber noch ein paar Details wissen möchte, kann er mich gerne fragen. So viel hat sich beim HSV ja nicht geändert.“
Aus der Ferne beobachte er nach wie vor mit besonderem Interesse, wie es in Hamburg weitergeht: „In der Rückrunde der Vorsaison haben wir einen Sprung gemacht. Ich bin gespannt, ob die Mannschaft das fortsetzen kann und schnell zurück in die Spur findet.“ Allerdings erst ab dem 2. Spieltag. „Wichtig ist, dass wir uns regelmäßig aus dem Pressing des HSV befreien können. Das spielen sie unter Markus Gisdol brutal gut“, warnt Gregoritsch und fordert: „Wir müssen mit Selbstvertrauen und kühlem Kopf dagegenhalten. Wenn es beim HSV nicht läuft, kann die Stimmung schnell kippen.

 

Quelle: https://www.welt.de/regionales/hamburg/article167803967/Krisenstimmung-gibt-es-in-Hamburg-immer-sehr-schnell.html

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